Gestern Abend habe ich beschlossen: ab morgen rauche ich nicht mehr.

Nein, ich bin nicht schwer krank, ich finde nur, dass ich nicht andauernd von gesunder Ernährung faseln kann , um mir dann in der nächsten Ecke eine Zigarette an zu stecken. Irgendwie passt das nicht. Ab morgen rauche ich nicht mehr.

Tag 1

Mein Wecker klingelt erstmal zwei Stunden zu spät, wollte ich doch eigentlich meine Tochter wecken, damit sie auch pünktlich am Schulbus ist.

Normalerweise stehe ich immer gut 2 Stunden vor Abfahrt, wohin auch immer, auf, um genügend Zeit für etwaige Rituale zu haben. Das sieht dann ungefähr wie folgt aus:

  • Kaffee machen, währenddessen Zigarette rauchen
  • Kaffe trinken , dazu ne Zigarette rauchen
  • Zigarette rauchen, dazu den Rest vom Kaffee trinken
  • neuen Kaffee machen , dazu ne Zigarette rauchen
  • Waschen , Duschen etc. gehen , anschließend ne Zigarette rauchen, dazu den Kaffee trinken
  • Anziehen und noch schnell ne Zigarette rauchen und überlegen, ob der Kaffee dazu noch reicht oder, ob nicht doch nochmal schnell nen Kaffee kochen und Zigarette dazu …?

So oder so ähnlich sieht es eigentlich jeden Morgen bei mir aus , und so war ich heut früh nach 45 min eigentlich mit allem fertig … Und habe doch ernsthaft im Erwägung gezogen, in der übrig gebliebenen Zeit noch schnell mal eine zu rauch….. STOPP !!!

Da ist er – der Teufelskreis. Den ganzen morgen schon renne ich herum, nur einen immer wiederkehrenden Gedanken in meinem Hirn:

  • Ich rauche ja nun nicht mehr, und weil ich nicht mehr rauche, rauche ich eben nicht mehr. Und deshalb ist es auch so, dass ich nicht mehr rauche, obwohl eigentlich könnte ich ja mal eine rauchen … aber nein !!!! Ich rauche ja nicht mehr.

Und nachdem ich mich nun die verbleibende halbe Stunde damit beschäftigt habe, nicht zu rauchen und darüber ausführlich nach zu denken, kann ich also endlich los fahren. Meine Tochter geht schon mal raus , während ich noch die letzten 3 Worte mit meinem rauchenden Mann wechsel. Ich beneide ihn jetzt schon, dass er rauchen darf.

Ich fahre also endlich los und stelle fest, ich fühle mich, wie unter eine KäseGlocke. Ich kann mich nicht konzentrieren und gucke überall hin, nur nicht da, wo ich soll, nämlich auf die Straße . Ich stehe an der Ampel und denke gerade :

  • Ich rauche nicht mehr.
  • Wie ist das schön, dass ich nicht mehr rauche.
  • Eigentlich könnte ich doch jetzt mal eine rauchen.
  • Aber nein, ich rauche ja nicht mehr.
  • Die Ampel ist grün .
  • Es kann doch nicht so schwer sein, nicht mehr rauchen zu wollen.
  • Ich rauche nicht mehr.
  • Nein, rauchen will ich nicht mehr.
  • Die Ampel ist immernoch grün.
  • Auf jeden Fall bin ich stark, und ich rauche nicht mehr.
  • UPS ………. ich sollte mal los fahren.

Und so geht es mir eigentlich schon den ganzen Tag. Ich kann nicht zuhören, ich kann mich nicht konzentrieren. Ich schwitze, obwohl ich sonst immer friere und habe Herzrasen, wenn ich mit dem Hund raus gehe, weil mein Blut wahrscheinlich nichts mit dem ganzen Sauerstoff anzufangen weiß.

Am Abend erscheint mir dann doch wieder alles ziemlich normal zu sein. Mittlerweile denke ich nicht mehr nur ans „Nichtrauchen “ … Nein, sondern vielmehr ans Rauchen 🙈🙉🙊.

Meine zweite Nacht war dann doch etwas weniger angenehm. Ich war recht früh müde und bin deshalb auch relativ zeitig ins Bett gegangen. Kennt ihr das – wenn einzelne Körperteile nochmal kurz zucken, bevor man endgültig abdriftet ? Das hatte ich quasi die ganze Nacht. Dazu noch sämtliche Schweißausbrüche , weil mir andauernd zu warm war , oder doch wieder zu kalt, weil ich die Bettdecke ja von mir entfernt hatte.

Und dann diese Gedanken – Nein, nicht ums rauchen – sondern, wie ich diesen Text hier schreibe 😂😂.

Auf jeden Fall gehe ich mich jetzt erstmal belohnen und lasse mir ein schönes Bad ein. Weil 👉 ich hab ja jetzt wieder Geruchsnerven und die letzte Nacht war ja sehr schweißtreibend….

Tag 2

An Tag 2 ist alles ein bisschen einfacher. Auf grüne Ampeln kann ich mich immerhin schon mal wieder konzentrieren. Mein Hirn scheint nicht mehr vakuumiert von Nebelschwaden. Heute kann ich mich auch auf andere Sachen, als dem „Nicht Rauchen“ konzentrieren. Während ich mich gestern fast ausschließlich damit beschäftigt habe, muss ich mich heute manchmal daran erinnern, dass ich nicht mehr rauche, weil ich ansonsten einfach so zur Zigarette greife. Ja, es ist einfach die Gewohnheit. Viele Jahre hab ich eben schon allein

  • morgens 2 – 12 Zigaretten zu meinem Kaffee geraucht,
  • oder auf dem Weg zur Arbeit – noch schnell Eine geraucht,
  • oder wenn ich mit dem Hund raus ging – dabei noch schnell eine Zigarette geraucht,
  • bevor ich mit der Arbeit anfing – schnell eine geraucht,
  • wenn ich mit der Arbeit fertig war – schnell eine geraucht,
  • zu Hause angekommen- erstmal eine geraucht,
  • vor dem Abendbrot,
  • nach dem Abendbrot,
  • vor der Fernsehsendung,
  • danach
  • und währenddessen…..
  • Ich glaube, ich habe den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als geraucht ?! 😨😨😨

Und das sind so die Momente, die man ja nicht einfach so abschalten kann , Nein- automatisch kommt einem der Gedanke an die Zigarette in bestimmten Situationen, in denen man sonst ja auch geraucht hat. Es ist wie ein kurzer Blitz, der einen durchfährt – der einen erst Freude, dann Enttäuschung und anschließend Traurigkeit ,gepaart mit ganz viel Stolz, fühlen lässt. Erst Freude, weil man feststellt, dass man gleich eine zigarettenwürdige Pause machen wird, um dann zu erkennen – ich rauche ja nicht mehr, also brauche ich mich darauf gar nicht freuen, einmal tief seufzend ein zu atmen, und stolz zu erkennen, das ist nur meine 21 Jahre anhaltende Gewohnheit, die mich versucht daran zu erinnern, was ich all die Jahre doch so gerne getan habe. Aber Nein : so schnell dieser Moment in meinem Hirn aufflackert, so schnell ist er auch wieder verschwunden , und ich rauche eben einfach nicht … es ist der Wahnsinn 👏👏👏

Im übrigen habe ich quasi zeitgleich mit meiner Mutter aufgehört zu rauchen. Sie ist mir „nur“ 24 Stunden vorraus, was eigentlich ziemlich unfair ist, weil ich zuerst angefangen hatte, aufhören zu wollen. Na egal, ich kann tun was ich möchte, ich hole die Zeit einfach nicht ein.

Was ich aber eigentlich sagen wollte, dass wir die gleichen Entzugserscheinungen haben , so dass wir uns letzte Nacht so gar gegenseitig Whatsapp schickten, weil wir wieder nicht schlafen konnten….

Gemeinsam aufzuhören ist gar nicht mal so doof, denn man kann sich gegenseitig motivieren , sich bestärken weiter zu machen und sich natürlich auch sein Leid klagen. Das macht alles zusammen doppelt so viel Spaß. Haben wir also sonst Nachmittags nach der Arbeit erstmal zusammen eine Zigarette geraucht , rauchen wir nun keine mehr und klagen uns stattdessen unser Leid, welches wir erdulden, weil wir selbst es so wollen … 🤔 und dann – dann sind wir stolz auf uns und machen uns Mut, weiter zu machen.

Tag 269

In 4 Tagen ist es soweit. In vier Tagen habe ich seit 9 Monaten nicht mehr geraucht 👍😁.

Was hat sich verändert? Alles !

Ich habe das Gefühl mein ganzes Leben hat sich verändert . Zu aller erst hab ich erstmal 7 kg zu genommen. Nun gut, es kam auch noch Weihnachten dazu, da bekommt man sowieso ein bissl Speck auf die Rippen … Hach, das schmeckte aber auch alles lecker …. 😊😍 … allerdings wurden die Klamotten enger, vor allem hatte ich mir ein schönes Kleid zu Weihnachten genäht, indem ich dann aber wie eine Presswurst aussah.

Nach Weihnachten dann das erste Mal leise Kritik von meinem Mann. Kritik muss nicht immer schlecht sein, auch wenn sie sich dannach anhört und anfühlt. Nein, diese Kritik sprach aus, was ich lange im Spiegel selbst erkannt hatte – aber nicht wahrhaben wollte … ich musste also etwas tun. Neues Jahr, neues Glück.

Als erstes nahm ich an einem Indoorcycling-Marathon Teil, zu dem ich mich schon im Dezember angemeldet hatte . Nur 2 Stunden, aber ich konnte deutlich meinen Hintern spüren. Trotz allem war ich immerhin fast 35 km gefahren… wow … danach war der Bann dann gebrochen, ich meldete mich im Fitnessstudio an. Seitdem trainiere ich ca 3 Mal in der Woche im Studio, um die restlichen Tage zu Hause mit Inlinern und Fahrrad zu verbringen. Man glaubt gar nicht, was der Mensch zu leisten imstande ist.

Kurzum- ich bin ein totaler Bewegungsjunkee geworden . Zusätzlich habe ich mich noch mehr mit Ernährung auseinander gesetzt , was schlussendlich bewirkt hat, meine 7 kg wieder runter zu bekommen und den Körper neu zu formen.

Wer sich jetzt aber denkt, sie hat es so einfach geschafft, mit dem Rauchen auf zu hören und nach so langer Zeit, ist alles gut, der täuscht sich … noch heute habe ich das Verlangen zu rauchen. Nicht immer, aber in Momenten, in denen ich immer rauchte… Bsp. Ich fahre auf einen sonnigen Parkplatz und warte dort auf meine Tochter . Schon beim rauffahren auf dem Platz, war sie da – die Zigarette, in meinen Gedanken : wie ich aussteige, die Sonne genieße und weil ich warten muss, eine Zigarette heraus hole, sie anzünde und tiiiieeef einatme. Noch heute kann ich genau das spüren … Aber ich bin weiter stark – und so verschwindet dieser Gedanke auch ganz schnell wieder.

Tag 365 – 1 Jahr

Noch immer total froh, mit dem Rauchen aufgehört zu haben, habe ich nun 1 Jahr geschafft . WAHNSINN … wie schnell die Zeit doch vergangen ist. Ein ganzes Jahr, in dem sich soviel verändert hat.

Nein, ich habe jetzt nicht mehr Geld, weil ich ja nun kein Tabak oder keine Zigaretten mehr kaufen muss, und ich habe auch nicht mehr Zeit, weil ich diese ja nicht mit rauchen verbringe. Ganz im Gegenteil, ich weiß gar nicht, wann ich das noch gemacht habe …. Grad Morgens hab ich dafür mal so gar keine Zeit. Da hab ich aber immer am liebsten und meisten geraucht.

Mein Geld investiere ich nun in Sport. Ein Vertrag im Fitnessstudio war da erst der Anfang. Es folgten logischerweise Sportklamotten, Sportschuhe, Inliner , Schützer und Helm, Fahrradklamotten, und Sportuhr …. ach und dann noch neue Sportklamotten und -schuhe… Die Kleidung passte ja nach einer Weile nicht mehr, denn so wurde ich auch meine 7kg wieder los. 🤗

Ich achte nun also auf ausreichend Schlaf, viel Wasser, gutes Essen und viel Aktivität… Ich müsste also wenigstens 204 Jahre alt werden 😁, faltenfrei (logisch, oder?) .

Inzwischen entwickel ich meine eigenen Trainingspläne und habe damit auch ganz guten Erfolg. Wer es hören will, dem erzähle ich auch ganz gern, wie Ernährung und Sport funktionieren. Es interessiert nur niemanden ..🤷‍♀️ naja oder eben nur oberflächlich😁.

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