… begann meine Reise. Als ich die Reise antrat, wusste ich nicht auf was ich mich eigentlich einließ, und ob ich das eigentlich so wollte.

Wird es eine lange Reise?

Wer wird mir begegnen?

Werde ich finden wo nach ich suche?

Was werde ich erleben?

Wird es mir immer gut gehen?

Wow, ich hatte schon so viele Fragen, aber damals noch nicht eine Antwort. Und es interessierte mich auch nicht. Die Vorbereitungen haben mich knapp 9 Monate Zeit gekostet, und das Tor zur Welt habe ich am 16. März 1976 betreten. Als ich meine Reise antrat, wurde ich von meiner Mama in Empfang genommen. Sie hat sich sehr gefreut und erzählte mir, dass in unmittelbarer Nähe (nämlich bei der Oma) mein Bruder auf mich wartet und mein Papa bald zu Besuch nach Hause käme, um mich kennen zulernen. Wie aufregend. Nach ein paar Tagen Zwischenstation im Kreisrankenhaus Demmin, auf der Mütterstation ging es dann bald nach Hause.

Und meine Reise begann.

Auf meiner Reise habe ich ganz viele schöne Dinge erlebt und sooo viel gelernt. Ein Spruch der mich immer begleitet – man kann ihn als Schüler der 10. Klasse aber leider nicht mehr hören – „Du lernst nie aus“ oder „Du lernst für Dich und nicht für uns“. Wenn ich noch ein bisschen in meiner Gedächtnis-Schublade krame, fallen mir bestimmt noch ein paar sehr kluge Sprüchen ein zum Thema lernen. Nun aber es ist leider so – meine Eltern würde diese Einsicht jetzt sicher freuen – ich lerne nie aus, und ich lerne auch nur für mich. Ich lerne auch aus meinen Fehlern, wenn ich sie denn machen darf. Eltern neigen ja dazu ihre Kinder vor Fehlern bewahren zu wollen. Ich ertappe mich heute bei  meinen Kindern selbst dabei.

So habe ich in meinem Leben auch viel gelernt. Begonnen hat die Lernphase schon am ersten Tag. Immer musste ich irgendwas machen oder sogar schon können. Ich glaube hier kann man viele Paralellen ziehen, zu all den Neuankömmlingen im Leben. Die Reise beginnt, und du hörst nie auf zu lernen. Willkommen in der Welt.

Nun, ich habe viel gelernt und bin in meinem Leben gut vorangekommen. Oft hatte ich die Unterstützung meiner Eltern. Aber es gibt Dinge im Leben eines Kindes, die ein Kind tun muss, weil es sie tun muss. Und ein Kind muss diese Dinge alleine tun. So geschah es, dass ich meine ersten Schritte alleine machte. Ich ließ mich einfach los. Meine Eltern waren mächtig stolz auf mich. Schließlich haben sie mir alle diese Schritte beigebracht. Ab da an war ich auch nicht mehr zu halten. Ich wurde immer selbständiger. Was hier nicht zu glauben ist, ich spreche hier von 2 Altersstufen. Ich lernte alleine laufen mit ca 1,5 Jahren oder mit ca 15,5 Jahren. Im Alter von 1,5 Jahren ist es völlig normal laufen zu lernen und dann recht schnell auch los zulassen. Endlich raus in die Welt. Nicht immer einen helfende Hand brauchen, um Ziele zu erreichen. Meine Mama hatte hin und wieder Angst, ich könnte mir was tun und versuchte mich zu warnen und gar zu beschützen. Aber wie es so ist als kleiner Racker – ich lernte auch aus meinen Fehlern, wenn ich sie denn machen durfte – also lies sie mich auch machen, meine Mama. Papa war da immer schon ein bisschen zuversichtlicher. Er hat mich machen lassen. Liegt es daran das Männer eher mutiger veranlagt sind, als Mamis, oder dass in ihnen immer ein Kind stecken wird? Damit hätten sie natürlich eher Verständnis für die Situation eines Kindes und den Drang nach (augenscheinlich aus Mamas Sicht) offensichtlich lauernder Gefahr.

Ich konnte nun laufen und die Welt gehörte mir. Alles wurde erkundigt, im Laufschritt. Wieder zum Leidwesen meiner Eltern. Auch wenn Pabba allem etwas gelassener entgegenblickte – in diesem Fall nicht. Unsere gemeinsame Wohnung war nicht so groß, als dass sie einen Dauerläufer vertragen konnte oder der Dauerläufer die Wohnung. Fazit ich bin ständig angeeckt. Ich hatte immer blaue Schienbeine und aufgeschlagenen Knie. Wer viel läuft, stürzt auch mal.

Am Anfang meiner Reise erfuhr ich, dass ich nicht alleine auf der Welt war. Ich hatte einen Reisebegleiter, den ich auch schon bald kennen lernen sollte. Meinen großen Bruder, er wartete schon auf mich und hatte satte 11,5 Monate Vorsprung. Er brachte mir nichts bei, dafür war er noch zu klein. Aber ich schaute mir viel von ihm ab, auch den Blödsinn. Das konnten wir sehr gut, Blödsinn machen. Das konnte ich aber auch sehr gut alleine. Fortan waren wir immer zusammen, wenn wir nicht gerade in den Kindergarten gingen oder in die Schule. Hier war ein Jahrgang vor mir und das war für uns auch gut so. Beruflich jeder hatte seinen eigenen Wirkungskreis. Privat mussten wir immer zusammenspielen. Denke ich an unsere gemeinsame Kindheit zurück war sie schön und behütet. Allerdings waren wir beide zu klein für die großen Jungs aus unserem Aufgang und wurden immer als junges Gemüse bezeichnet. Irgendwie störte uns das nicht, und wir hatte unseren Spaß. Wir sind über Zäune geklettert, haben in fremden Kindergärten gespielt, haben im Wald Spuren gelesen oder wir sind in der Klosterruine unseren Forschungs-Phantasien nachgegangen.

Einmal machte ich während meiner Reise durch die Kindheit noch mal Stop, um einen Passagier zu steigen zu lassen. Ich feierte gerade meinen 5. Geburtstag – an den ich mich leider nicht mehr erinnere – mein großer Bruder wird 6 Jahre alt und wenige Tage später erblickt unsere Schwester Merle das Licht der Welt und macht sich mit uns auf eine gemeinsame Reise durch die Zeit.

Na super, noch ein Mädchen. Naja es war eine 50/50 Chance. Soweit ich weiß, dachte meine Mama es wird ein Junge. Da die Natur sowieso das macht was sie will, hat sie sich spontan für ein Mädchen entschieden. Meine Merle. Ich war eine stolze große Schwester. An die Zeit ihres Babyalters kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, hier gibt es nur Foto-Erinnerungen. An die Zeit, als sie im Kindergartenalter war, erinnere ich mich besser. Sie kam irgendwann ins Vorschulalter. ich habe mit ihr Schule gespielt oder Friseur oder Kaufmannsladen. Das war auch die Zeit, als wir in einen neue Wohnung gezogen waren. Merle und ich teilten ein Zimmer. Jede große Schwester die das liest, weiß ganz genau, wovon ich spreche.

Ich wurde langsam zum Teenie und meine Schwester? Sie blieb erst mal meine kleine Schwester. Ich kann gar nicht sagen wann sich das gedreht hat. Selbst zu ihrer Jugendweihe war sie immer noch meine kleine Schwester und nicht mehr. Heute ist es anders. Aber das steht ihn einem anderen Kapitel.

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